Schlaraffia Flensburgia

 

Auf dieser Seite werden  dem „Uhuversum“ Fechsungen vorgestellt!

Zueignung

Ritter Fürst Kinken der Verschlungene (135)



Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,

die früher schon sich meinem Blick gezeigt,

versuch ich drum, euch dieses Mal zu halten,

fühl ich mein Herz doch solchem Wahn geneigt!

Drängt euch nur zu! Ihr möget itzo walten,

wie ihr aus Dunst und Nebel steigt;

mein Ritterherz wird AHA-nungsvoll erschüttert,

da Zauberhauch euch UHU-gleich umwittert.


Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen

nach Freundschaft, Kunst, Humor bei den Schlaraffen,

die oft nur leis in unbestimmten Tönen

in UHUs Burg sich noch Gehör verschaffen!


Vorspiel in der Burg


Oberschlar.    Schlaraffen hört, die ihr - nicht oft –

    in Not und Trübsal beigestanden,

    sagt, was ihr in schlaraff’schen Landen

    bei Sippungen euch denn erhofft?


Fechser    Oh sprich mir nicht von jener bunten Menge,

    bei deren Anblick mir der Geist entflieht.

    Verhülle mir das wogende Gedränge,

    das wider Willen mich zum Strudel zieht!

    Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,

    das Echte bleibt der Nachwelt unverloren!


Hofnarr    Wer machte denn der Mitwelt Spaß?

    Den will sie doch und soll ihn haben!


Oberschlar.    Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen.

    Ein jeder sucht sich endlich etwas aus.

    Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;

    und jeder geht zufrieden aus demHaus.

    Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!

    Solch ein Ragout, es muss euch glücken;

    Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.

    Was hilft’s, wenn ihr ein Ganzes dargebracht,

    die Sassenschaft wird es euch doch zerpflücken!


Fechser    Ihr fühlet nicht, wie schlecht solch eine Fechsung sei?

    Wie wenig das dem echten Fechser zieme?

    Der saubern Ritter Pfuscherei

    ist, merk ich, schon bei euch Maxime!


Oberschlar.    Ein solcher Vorwurf lässt mich ungekränkt;

    ein Mann, der recht zu wirken denkt,

    muss auf schlaraff’sches Werkzeug halten.

    Bedenkt, ihr habet weiches Holz zu spalten,

    und seht nur hin, für wen ihr schreibt!

    Was träumet ihr auf eurer Fechserhöhe?

    Macht eine volle Burg euch froh?

    Beseht die Sassen in der Nähe:

    Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.

    Der, nach der Sippung, hofft ein Kartenspiel,

    der eine wilde Nacht an einer Burgfrau Busen,

    was plagt ihr armen Toren viel,

    zu solchem Zweck, die holden Musen?


Fechser    Geh hin und such dir einen andern Knecht!

    Der Fechser sollte wohl das höchste Recht,

    Schlaraffenrecht, das ihm UHU vergönnte,

    so billig, freventlich verscherzen?

    Wodurch bewegt er die Schlaraffenherzen?
    Ist es der Einklang nicht, schlaraff’scher Freundschaft Element?


Hofnarr    Greift nur hinein ins voll’ Schlaraffenleben,

    manch Ritter lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt,

    und wo ihr’s packt, da ist’s interessant!

    In bunten Bildern wenig Klarheit,

    viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit:

    so wird Schlaraffentrank gebraut,

    der Sassenschaft erquickt, erbaut.


Oberschlar.    Der Worte sind genug gewechselt,

    lasst mich auch endlich Taten sehn!

    Indes ihr Komplimente drechselt,

    kann etwas Nützliches geschehn.


Fechser    Habe nun, ach! Philosophie

    Spiegelgesetze und Theorien

    und leider auch Ceremonie

    durchaus studiert in heißem Bemühn.

    Da steh ich nun ich armer Tor

    und bin so klug als wie zuvor!

    War Junker, heiße Ritter gar

    und ziehe schon an die zehen Jahr

    herauf, herab und quer und krumm

    im Uhuversum wild herum

    und merke, dass UHU wir nicht erkennen,

    das will mir schier das Herz verbrennen!


    Oh sähst UHU im Mondenschein

    zum letztenmal du meine Pein,

    wenn ich so manche Mitternacht

    beim Fechsen hab herangewacht:

    dann über Büchern und Papier

    Schlaraffengeist erschienst du mir!


UHU    Wer ruft mir?


Fechser Herrliches Gesicht!


UHU    Du hast mich mächtig angezogen,

    an meiner Sphäre lang’ gesogen!

    Wer bist du, Ritter, des Stimme mir erklang?

    Ein furchtsam weggekrümmter Wurm?


Fechser    Soll ich dir, Uhubildnis, weichen?

    Ich bin Ritter! Deinesgleichen!

    Der du die weite Welt umschweifst,

    geschäft’ger Geist, wie nah fühl ich mich dir!


UHU    Du gleichst dem Geist, den du begreifst,

    nicht mir.           

Flensburgias Weg zur „Läuterung“

(Sonett)

Ritter Fürst Kinken der Verschlungene (135)


Der Mensch erträumt sich gern ein fett Schlaraffenland,

in das durch süßen Brei er kriechend sich durchisst,

dann faul im Schatten döst, gebrat‘ne Tauben frisst.

Verliert so seine Würd‘ und letztlich den Verstand!


Wie anders scheint mir da, was mein Schlaraffenland:

Sind wir von Kunst beseelt, uns hold die Muse küsst;

im Denken und im Tun Humor zugegen ist

und alle fest umschließt schlaraffisch Freundschaftsband.


Doch kennt Flensburgia auch, was schärfet unsern Geist

und was manch braven Ritter keck in die Nase beißt,

was sicher auch geschätzt - des Geistes Heros - Goehte.


Drum hat den Dampf im Kessel der Styxin Kunst erwiesen;

ent-brannt für den Humor, wird jeder Zwerg zum Riesen:

herzlich er Freundschaft pflegt, bei Flensburgs Dampfbrandlethe.



Kunst schöpft, wer schenkend ersinnt,

Ritter Tytan vom Brocken (27)



Kunst schöpft, wer schenkend ersinnt,

dass die Seele lacht;

und mit dem Können gewinnt -

schlaraffische Pracht.


Humor ist reine Sonne,

die von innen scheint;

entfacht Feuer zur Wonne,

Schlaraffen vereint.


Das Ideal heißt Freundschaft,

die ewiglich blüht.

Schlaraffias wahre Kraft,

die im Herzen glüht.


Wir hier leben diese drei.

Hohes, edles Holz,

in Treu‘ vereint, im Geist‘ frei !

Darauf sind wir stolz.


Lulu


Gemütsverfassung

Ritter Mook-man de Meckelborger Büffelkopp (135)

im Lethemond a.U. 154



Das Tagwerk ist vollbracht. Der Rücken krumm. Gebeugt

lieg‘ ich im Lehnstuhl an diesem Abend heut‘.

Obwohl recht arg  geschafft – ein wenig gar benommen –

will doch der Schlaf so recht mir gar nicht kommen.


Da muss das alte Mittel her, das Hirn noch mal zu zwicken

mit Rätselraten und sodann in  Morpheus‘ Arme bald zu sinken.

Das Spiel gelingt, die Silben flott mir geh‘n so von der Hand.

doch bei der dreizehn senkrecht, steh‘ ich wie vor einer Wand.


Gemütsverfassung heißt es da, die Lösung acht Buchstaben!

Doch wie ich‘s dreh‘ und wende, es fängt mich an zu plagen.

Da muss von waagrecht her mir Hilfe doch gelingen,

wenn‘s Wissen fehlt, muss es das Raten eben bringen.


Die Kreuz, die Quer , ich müh‘mich,  dass der Grips erlahmt,

und seh‘ die Silbe „ata" plötzlich wie gebannt da stah‘n.

Sollt etwa der Oma altes Mittel der Anfang sein vom End?

Da bin ich doch verzwickt, mei‘ Lieber, wieder wach geschwind‘!


Ich haste  weiter durch die Felder bis „rex" sich zeigt,

vom andern waagrecht Wort darunter.

Bekannter Hundename, ja, doch nun wird‘s kunterbunter:

Denn ein Vokal will da so recht nicht passen,

versucht das Hirn mir‘n „e" für‘n „a" jetzt vorzumachen?


Bin‘s  leid und greif‘ für‘n Rater zu garstig teuflisch Zeug.

Das Lexikon muss her, das schon vergilbte, nicht das neu‘ .

Auf Seite sechs-sieben-sechs im dritten Band

find‘ ich‘s Zauberwort zum End.

Fazit:

Bei Seneca, auch Epikur, da stand´s schon lang‘ geschrieben.

Doch diese alten Griechen im Hirsebrey nicht häng‘n geblieben,

sollt‘ man schlaraffisch neu es gern entdecken.

ATA plus RAX statt rex, dazu des Esels Laut IA

führt uns zur Ataraxia,

zum Gleichmut nach des Alltags so profanen Schrecken

zur Gelassenheit für all‘ nur denkbar wack‘ren Recken.

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"Geschichte & Geschichten"

Ritter Mook-man de Meckelborger Büffelkopp (135)

Im Eismond a.U.157



Es war einmal und geschah tatsächlich, dass ein Sippungsabend nicht mit der Frage nach irgendeinem internationalen Tag von irgendwas eingeleitet wurde, sondern der zweite Tag einer jeden Jahrung  höchst berechtigte Erwähnung fand, nämlich diesmal  der Beginn der 119. Jahrung des Bestehens unseres Reyches. Mein alternder Hirsebrey kochte so richtig auf, denn dies war doch ein bald anstehendes Fechsungsthema. Geschichte und Geschichten, dachte ich, na ja,  Historie versus Dichtung & Wahrheit eben.


Bald saß ich blätternd über hauptsächlich Band I der allschlaraffischen Chronik, ein wenig auch Band II zuhilfe nehmend, die beide erst zur Hundertjahrfeier a.U. 100  - also im profanen Jahr 1959 -  in der Norimberga (17) auf den schlaraffischen Markt kamen. Im allschlaraffischen Archiv begann man erst irgendwann nach der UHU-finsteren Zeit die Vergangenheit aufzuarbeiten. Den frühen, oft bruchstückhaften Chronik-Versuchen  eines weiland Rt Hutten und noch mehr des großen Rt Drasal verpaßte man das Prädikat "mehr Raten als Wissen". Dennoch gestand man aber immer wieder auch ein, daß so Manches halt auf ewig im Dunkel bleiben werde.


Wie sah´s profan aber nun aus im Flensburg und seiner Umgebung an der Wende zum 20-ten Jahrhundert ? Im Sommer 1895 war der Nordostseekanal nach nur sechs Jahren Bauzeit eingeweiht worden. Die Fördestadt florierte und auch die Stadt der Mutter Kilia boomte ob der Werftindustrie für besonders die kaiserliche Marine. Überall zeigte die "industrielle Revolution" gar wirtschafts-wunderliche Hochzeyten.


Einem unserer Ideale, der Kunst, zugewandt, ist diese profane Zeyt geprägt von dem Einläuten der Moderne in der Literatur und dem vollzogenen Abschied von der Romantik. Größen wie Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler oder Stefan George seien genannt. In Sunderheyt sei erinnert an den radikalen Kritiker des Obrigkeitsstaates und Untertanengeistes namens Frank Wedekind mit seinen LULU-Tragödien "Der Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora", mit denen er weit verbreitete heuchlerische Moral anprangert und für eine freiere Einstellung zur Sexualität plädiert. Die Frauen verstehen ihn offenbar besonders enthusiastisch und gründen in Berlin den "Allgemeinen Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung". Dies führt bald zum Ende des Korsetts und der modischen Hinwendung zum lose von den Schultern herabhängenden "Reformkleid" , wie die Damen es nannten.


Und schlaraffisch ? Nun ja, 1894 wird an unserer Förde das neue Theater eröffnet. Erster Held und Liebhaber im Ensemble ist der Schauspieler Adam Korb. In der Kilia ist er daselbst im Lenzmond des gleichen Jahres zum Ritter Kean der Zugedrehte geschlagen worden. Ein begeisterter Schlaraffe  - wie es in der Chronik heißt -   und sehr ausryttsfreudig, trifft er in unserer Fördestadt bald auf einen Kreis kunstbegeisterter Flensburger, allen voran den Rentier namens Fritz Meyer aus Glücksburg, der bei Wind und Wetter gen Kilia pilgert und dort im Ostermond 1897 zum Ritter Unverzagt geschlagen wird und zum Gründer der Flensburgia avanciert.


Wie aber konnte es geschehen, daß unsere Mutter ihre Mutter  - also unsere Großmutter, das hohe Reych Colonia Agripina (8) -  im für damalige Zeyten weit entfernten Rheinland fand und daselbst schon drei Töchtern das Licht des UHU-



versums geschenkt hatte ? Und nun noch ´ne vierte Tochter ! Und dazu im hohen Norden! Die Vermutung erscheint aus heutiger Sicht logisch und fortschrittlich. Hoffte man etwa dem Inzest ein Ende zu  bereiten ?


Nun, die Chronik vermeldet als Erzschlaraffen der Kilia (26) die gar stattliche Zahl von elf höchst ehrenwerten Erzschlaraffen und dazu einen sich als Initiator der Gründung  ausgebenden Ritter Stolze der Improvisator, der sich als Sasse der Amstelodamia (10) ausgibt. Auf Rückfrage dort, sind die Holländer empört und behaupten sogar, im ganzen UHU-versum gäbe es keinen Strolch dieses Namens. Stattdessen stellt sich zusätzlich heraus, daß dieser Hochstapler es  bei der Gründung der Wormatia (39))  - unserer Schwester - in den späten 70-ern / frühen 80-ern des 19. Jh. schon mal mit dem gleichen Trick versucht hatte, sich schlaraffisch fragwürdige Meriten zu verdienen. Nach der Kilia-Aufdeckung  - so heißt es in der Chronik -  sei der Missetäter dann im Dunkel der Profanei untergetaucht.


So konnte es geschehen, daß die fernen Rheinländer der Colonia Agrippina (8) unsere Großmutter wurde, die eine Tochter der Wratislavia (5) ist wie auch die Amsteldomia (10), die wir folglich weiland Großtante nennen dürfen, denn das Reych erlosch a.U.81 (profan 1940) in der UHU-finsteren Zeyt.


Wie eingangs gesagt:

Dichtung & Wahrheit oder frei nach William Shakespeare "Wie es Euch gefällt" !